Opening...
Die vierte Tasse Kaffee neben mir, die wasweißichwieveilte Zigarette in meiner Linken zwischen Zeige- und Mittelfinger. Heute Vormittag der erste Geburtstag des Campusradios, mit Sekt und Sondersendung im neuen Studio gefeiert. Ich hab mich beim Sekt schon deutlich zurückgehalten, musste ja noch fahren. Theoretisch hätte mich das evtl. wieder den Führerschein kosten können nach meinem Unfall im Februar – so mich Grün-Weiß angehalten hätte. Haben sie aber nicht. Das Mittagessen in der Mensa mit der sister ist ausgefallen – sie brütet über Latein. Ach... Latein. Daran darf ich gar nicht denken. Werde es im nächsten Semester versuchen müssen, in diesem wird es unter Garantie nichts. Verdammt. Ich weiß gar nicht, wie ich meine ganzen noch anstehenden Hausarbeiten bis Semesterende schaffen soll.
Jetzt habe ich aufgrund meiner Pressemitteilung, die ich zum Campusradiogeburtstag geschrieben habe, vom STURA angeboten bekommen, für ihn die Pressearbeit zu machen. Aber hab ich dafür denn auch noch Zeit? Mit der Teamleitung bei den Galliern und Radio neben dem ganzen Unikram bin ich doch ausgelastet genug. Aber die PR für den Uni-STURA wäre eine gute Referenz – jobperspektivisch betrachtet. Mein Vater köpft mich...
II
Ich war heute seit E w i g k e i t e n wieder in der Bibliothek der Germanistik, um meine Textauszüge aus der „Sizilischen Reise“ im Seminarordner abzuheften. Seminarthema: Zeit in der Literatur. Da passt Albans Buch perfekt: Er lässt sich in einer Szene selbst im Buch auftreten und auf den Protagonisten treffen:
„ ,Mögen Sie etwas trinken? Oder haben Sie noch einen Kater von gestern?’ - ,Sie beobachten mich?’ - ,Ich dachte Sie mir aus. [...] Das ist mir, finde ich, gelungen. Sie sind nur in Details mir ähnlich geraten.’ [...] ,So, nun mal langsam, Herr... Herr...’ - ,Herbst’, sagt er und lächelt.“ (S.199f.)
Hier trifft die erzählte Präsens-Zeit – das Aufeinandertreffen von Autor und seinem Protagonisten - auf die bereits vergangene Zeit des Erschaffens – als Herbst dieses fiktive, zugleich völlig irreale Treffen schuf im Prozess des Niederschreibens. Und weiter: Im Dialog wird bereits vorausgesetzt, der erdachte Protagonist sei bereits vollendet. Ist er das aber nicht erst dann, wenn das Buch vom Autor vollendet wurde? Und das ist es im Moment des Niederschreibens dieses Dialogs eben gerade nicht! Hochgradig spannend. Ich muss den Faden noch in Ruhe weiterspinnen...
Genau das sind jene Momente, die mir seit meiner Zeit an der Uni so selten untergekommen sind.
III
Denken macht Erotik.
Titania Carthaga - 2003-12-03 16:35
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ANNO 1900, Weimar. Eine kulinarisch-literarische Ausschweifung










