
Dass es bei solch einem Duell weniger um tiefergehende Inhalte als um Medienaufsehen geht, ist unbestritten. Dazu reichen 90 Minuten nicht aus, wenn alle wichtigen Bereiche der Politik kurz gestreift werden sollen. Was mir allerdings - nicht erst seit dem TV-Duell - auffällt: dass schwarz-gelb unglaublich
polemisierend argumentieren [vgl. z.B. "Wir müssen das
rot-grüne Elend beenden und ablösen" - gestern als Kommentar nach dem TV-Duell von FDP--Seite]. Vergleichbares höre ich kaum von rot-grün.

Zum anderen: Mir kam Merkel vor wie die Gejagte einer Treibjagd. Schröder als
actio und sie immer nur in der
reactio-Position. Und irgendwie machte sie auf mich immer wieder den Eindruck des kleinen, trotzigen Mädchens.... Hingegen hielt Stoiber einst wesentlich eher stand - man hatte weit eher das Gefühl, die beiden seien auf Augenhöhe. Trotz schmeckt immer nach Verzweiflung.
Was die statistischen Umfragen zum Duell betrifft: klar fallen die Werte, die Merkel sei besser als erwartet gewesen, höher aus als bei Schröder. Denn Schröder hat von Grund auf bereits auf mehr 'Vertrauen' in sein Können bei den Zuschauern setzen können - es wurde einfach erwartet, dass er gut sein würde. Von Merkels Können hingegen hielten wohl weitaus m e h r Zuschauer weniger. Dass sie sich dennoch ganz gut schlug - e n t g e g e n der Erwartungen vieler, schlägt sich folglich stark in statistischen Zahlen nieder. So kommen statistische Werte zustande, deren Interpretation jedoch sehr verschieden ausfallen und mißbraucht werden kann [und wird] - lässt man den Kontext der Werte außer Acht.