
Gestern, ich war gerade auf dem Weg in die Stadt, um einige Besorgungen zu machen - es war bereits dunkel, gegen sechs wohl oder halb sieben - bin ich einem Mann begegnet. Ich lief, meinen Kopf mit Gedanken voll, den Gehweg entlang und kam an einer Straßenecke vorüber. Der Mann stand neben einer Säule, die Hände auf die Knie gestützt, als ob er verschnaufen müsse nach einem Spurt, den Blick zu Boden gerichtet und wohl nach innen. Er mochte nah an der Fünfzig sein, auf jeden Fall jenseits der Vierzig. Quadratisches Gesicht, davor eine ebensolche Brille mit schwarzem Gestell, das mit seinem dunklen Haar korrespondierte. In jenem Moment, da ich an ihm vorüberlief, sah er auf. Unsere Blicke trafen sich kurz; da richtete er sich abrupt auf, straffte sich und lief aus der Bewegung heraus weiter, als sei die Pause ein momenthafter Fehler, der nun korrigiert wurde. Der Mann bewahrte also H a l t u n g, oder versuchte, sie wieder herzustellen - sein Stolz gebot es ihm.
[ Haltung bzw. Stolz ist keine
Frauendomäne. ]