eXistenZ
Gestern habe ich mir endlich eXistenZ angesehen - quasi als Fortführung meiner kürzlichen Matrix I-III Session. Entgegen der Wachowski-Trilogie (Teil 1 - 1999) geht Cronenbergs Film (ebenfalls 1999!) deutlich weiter: weil er nicht wertet. Es gibt kein Gut oder Böse und jedes Mal, wenn man glaubt, eine solche Festlegung treffen zu können, kippt die Dynamik ins Gegenteil und vice versa: es ist doch alles ganz anders als gedacht. Dieser Effekt, der kein neuer und in so ziemlich jedem gängigen Hollywood-SpannungsStreifen zu finden ist, wird hier jedoch auf die Spitze getrieben: weil er immer wieder und wieder eingesetzt wird. Man weiß nie, wem man überhaupt noch trauen und was man eigentlich glauben kann. Jegliche uns bekannte Erfahrung, was denn Realität sei und damit die Kriterien, aufgrund derer wir Dinge für 'wahr' oder 'real' halten, werden völlig in Frage gestellt.
Cronenberg zeigt, anders als die Wachowskis, die f r e i w i l l i g e Fusion von Mensch und Hochtechnologie: hier verlinkt sich der Mensch via Bioport im Rückenmark wie eine (Bio-)Maschine mit einer virtuellen Spielematrix, die von einer anderen Maschine generiert wird - und zwar, weil er es w i l l: aus einem Fluchtreflex heraus, der ihn dazu treibt, in virtuelle Realitäten abzutauchen. Während ich den Film sah, kam mir unweigerlich der Gedanke, dass dies die künftige Version von Secondlife ist.
Die Dynamik des Films erinnert mich an ANHs Autopoesis der Anderswelt: das Erzählsystem generiert sich stets und immer wieder aus sich selbst neu. Dabei werden, ganz wie in Anderswelt, unmerklich Schleusen passiert, die Protagonisten switchen von einer Ebene in die nächste und wissen irgendwann selbst nicht mehr (und mit ihnen der Zuschauer), auf welcher sie sich denn befinden.
Cronenberg verzichtet, anders als MATRIX, darauf, eine mythische Auf- & Erlösung anzubieten. Das Ende des Films entlässt den Zuschauer in eine dunkel gähnende Leere mit einem großen Fragezeichen - von dem man die unangenehm bohrende Ahnung hat, dass es nie aufgelöst wird und auch gar nicht aufgelöst werden k a n n.
Meine unbedingte Empfehlung!
Filminfo:
# Darsteller: Jennifer Jason Leigh, Jude Law, Willem Dafoe
# Regisseur(e): David Cronenberg
# Genre: SciFi / Thriller / Crime / Drama
# Originaltitel: eXistenZ
# Jahr: 1999
>>>Manueller Trackback<<<
indirekt passend zum Thema: Google & AI
http://www.siggibecker.de/blog/archives/2007/02/google-und-ai/
sowie http://www.elektrischer-reporter.de/index.php/site/film/29/
http://rdh.twoday.net/stories/1696777/
und anders indirekt passend: Perspektiven & Spielebenen
Titania Carthaga - 2007-02-20 12:12



ANNO 1900, Weimar. Eine kulinarisch-literarische Ausschweifung










