Tango du matin
Sie kenne, schiebt er nach, ihn ja ziemlich genau, nach den Jahren.
Die Stimme Gardels schwebt überm Zigarettendunst im Zimmer, durch das einzelne Sonnenstrahlen Morgenbotschaften senden.
Ob sie deshalb auch recht habe, frage ich ihn.
Könnte sie.
Seine Lippen saugen sich am Filter fest. Rot und zerbissen zwingen sie meinen Blick auf sich.
Ob es aber auch für ihn stimme, höre ich mich aus dem Off sprechen. Oder für andere?
Wir schweigen eine Weile, sehen dem Rauch nach, der tänzelnd zur Decke steigt.
Es ist doch nicht entscheidend, ob oder wie gut man jemanden kennt, sondern welche Perspektiven man anzunehmen bereit ist, versuche ich es ein letztes Mal.
Er drückt die Zigarette in den Aschenbecher, der zwischen uns steht.
Objektivität ist ein Hirngespinst.
Die rechte Hand spielt mit dem Feuerzeug, der Verschluss klackt silbern. Seine Initialen ziselierend darauf graviert. Ich beuge mich hinüber zu seinem Kopf, der im weißen Kissen ruht, über die feuchten Strähnen, die dunkel in die Stirn fallen, und zu seinem rauhroten Mund. Halte inne, da blickt er hoch zu mir. Ich küsse flüchtig seine Stirn, schmecke Salz, er lächelt kurz. Mein Magen verkrampft. Rutsche seitlich aus dem Bett und gehe ins Bad.
Als ich zurückkomme, liegt noch das silberne Feuerzeug auf dem weißen Laken, Rauchschlieren stehen selbstvergessen im Raum.
Titania Carthaga - 2007-08-06 10:17
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