AKZ und das Germanistische Drama.
AKZ - sie ist eine liebe Freundin und Ex-Kommilitonin, lebt inzwischen in München. [Die ich eigentlich besuchen wollte, auf dem Rückweg von Wien.] AKZ versteht sich auch gut mit frau k. und der sister. Und: ihr verdanke ich einen der größten Schocks meines Lebens, dereinst, als wir das Germanistische studierten und wir uns gemeinsam durchs Büchner-Zwischenprüfungsseminar kämpften. Und der ich deshalb - des Schocks wegen - diese kleine Geschichte verdanke.
Des Dramas Hauptteil
Ich saß Sonntagabends, anno 2001, in den letzten Zügen über einer Hausarbeit – Dietrichepik, Mittelalter; schon schwirren mir wieder die ersten Zeilen des Laurins durch den Kopf….
Ze Berne was gesezzen
ein degen sô vermezzen,
der was geheizen Dietrîch.
niender vant man sîn gelîch
bî den selben zîten. …
- ja, ich mochte ihn, den Laurin… Nun, ich saß also über dieser Arbeit, die am nächsten Morgen abzugeben war. Den Schein sollte ich am nächsten Tag bekommen [der gute Dozent..!], den [Schein! naturellement] ich dann brav zum Prüfungsamt tragen wollte, um meine Zulassung zur Zwischenprüfung am Donnerstag zu bekommen. An jenem Sonntagabend also piepte mein Mobilchen. „Sehen wir uns morgen früh dann zur Prüfung um neun?“ schrieb mir AKZ.
Schock. Morgen früh?? Mir schossen alle Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Ob ich es schaffte, mir den Büchner-Stoff noch einzupauken, wenn ich die ganze Nacht durchlernte.. äh... Moment, mir fehlt ja die Zulassung – und dafür die Hausarbeit…Scheiße. Zwischenprüfung adé. Das war es dann wohl für dieses Semester. Ich ließ den Laurin Laurin sein, öffnete (erst) eine Flasche Wein und betrank mich schließlich.
Der nächste Morgen glotzte schlohweiß in mein Fenster und ließ mich geschwind zurück in traumlosen Schlaf flüchten. Irgendwann aber hat jeder Schlaf ein Ende, auch der komatöseste. Und nach dem ersten Kaffee setzte ich mich wieder an meinen Laurin, um die letzten Zeilen zu schreiben, ihn zu überarbeiten und auszudrucken. Abgeben konnte ich ihn nun auch morgen noch.
Der Dozent, als ich am Dienstag zu ihm ins [ im Frommannschen Anwesen gelegene (auch diese Erwähnung hat seinen Grund, wenngleich er nur für mich relevant ist) ] Büro schneite (ja, es war gerade Anfang März, da hat es auch in Jena bisweilen noch Schnee...); als ich also bei ihm erschien, blickte er mich sehr ernst an: „Wollten Sie die Arbeit nicht gestern schon abgeben, wegen Ihrer Zulassung? Die brauchen Sie doch heute?“ – „Naja“ druckste ich herum, „ich hab den Prüfungstermin verwechselt. Die Klausur war schon gestern, nicht Donnerstag.“ Er hob seine Augenbraue. Wie ich sie liebte an ihm. „Sie sind doch Nebenfach, richtig?“ Ich vernahm ein zögerliches Ja aus meiner Kehle. Da verschwand er aus dem Büro ins Nebenzimmer. Kam zurück, mit noch ernsterem Gesicht: „Die Klausur in Literaturwissenschaft ist übermorgen. Gestern war Sprachwissenschaft dran. Ich schreibe Ihnen jetzt den Schein so aus, Sie können doch nicht ewig im Grundstudium bleiben. Welche Note wollen Sie denn?“ –
Ich war sprachlos. „Ähm…. Dann schreiben Sie einfach eine 4.0 rein.“ – "Nein, so schlecht wird Ihre Arbeit nicht. Ich schreibe eine drei hinein. Wenn ich die Arbeit gelesen habe, können Sie Ihren richtigen Schein abholen und den alten zerreißen Sie bitte.“
Peng.
Ich glaube, in jenem Moment habe ich ihn am meisten geliebt.
Epilog
Die Auflösung des Rätsels: AKZ studierte Germanistik im Hauptfach und musste folglich sowohl in Sprach- als auch Literaturwissenschaft eine Klausur schreiben. Dummerweise glaubte sie, ich sei auch ‚Hauptfächler’. War ich aber, wie wir wissen, nicht. Auf den Laurin gab er mir übrigens eine 2.0. Die Büchnerklausur habe ich verrissen und sie im April nochmal geschrieben - dann auch mit zwei bestanden.
Titania Carthaga - 2005-10-16 19:10
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