Ideenkonzeption. Recherchen.
Gut hundert Seiten Plaudereien aus Zeiten "Göthes", Carl Augusts und überhaupt. Weimar eben. Es drängte sich mir während der Lektüre der Gedanke auf, dass die - in gewisser Weise: Bodenständigkeit, mit der damals das Thüringer Ländle regiert wurde, sich im heutigen Landtag fortsetzt. Historische Schleifen - wie passend. Ach ja, am Anfang war Nipperdey.
Seit einer Weile nämlich nimmt ein Projekt immer konkretere Formen in meinem Kopf an.
In principio erat sententia. Nipperdey schrieb im Vorwort seiner längst zum Standardwerk avancierten Deutschen Geschichte, Aufgabe des Historikers sei es gleichwohl, Geschichte immer wieder neu zu e r z ä h l e n. Ich fand in diesem Satz, was ich bis dato - im vierten Semester - selbst s o nicht hatte formulieren können. Während meiner Arbeit im Hauptstaatsarchiv Weimar anno 2001 geriet ich seit der Schulzeit zum ersten Male wieder mit der Materie Carl Ludwig Sands in Berührung: in den Verhörprotokollen der Immediatcommision zu Weimar, deren Aufgabe darin bestand, den Fall Sand aufklären zu helfen und gleichwohl die in Jena-Weimar existierenden radikaldemokratischen Strukturen aufzudecken. Die Folgen der Karlsbader Beschlüsse sind hinlänglich bekannt. Irgendwann entschied ich mich - sofern man das so nennen kann - die Geschichte Sands "irgendwann einmal" erzählen, also schreiben zu wollen. Diese Idee trug ich lange Zeit im Kopf spazieren, bis ich vor einigen Wochen an einem Samstag Abend wirklich einmal ZEIT für mich hatte, ich sie mir vielmehr n a h m, und begann, konkreter über das Sand-Thema zu grübeln.
Inzwischen steht das Konzept; zwar noch auf wackligen Beinen, aber es nimmt Formen an. Es ist wahr, der gothische Umriss des Gebäudes ist noch fast allenthalben sichtbar; die neuen Nebengebäude sind noch bei weitem nicht in ein festes Ganze vereinigt: aber sie sind doch da, und fangen an bewohnt zu werden... Sie werden sich erweitern, und allmählich zu einem immer regelmässigeren Ganzen vereinigen... (Fichte, Denkfreiheit, VI, 5)
Die Recherchen haben begonnen. Auch diesem Projekt ist die Lektüre der letzten Nacht geschuldet.
Titania Carthaga - 2006-03-13 15:16
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montgelas - 2006-03-20 11:18
Carl Sand
Mit Interesse habe ich Ihre Eintragung zu Sand gelesen.
Wussten Sie, dass Täter und Opfer auf dem gleichen Friedhof in Mannheim begraben sind ? Und ist Ihnen bekannt, dass in das Untersuchungsverfahren E.T.A Hoffmann verwickelt war ?
Ihnen eine gute Zeit...
aus dem Netz:
Sand, Karl Ludwig
Grab-Nr. 83
(Ehrengrab) 1795 - 1820* Wunsiedel. Der Student im Bann der Burschenschaften in Jena, betrachtete aufgrund von Publikationen Staatsrat und Dichter August von Kotzebue als russischen Spion und Feind studentischer Ideen. Er kam 1819 nach Mannheim mit dem Vorsatz ihn umzubringen, überraschte und erdolchte ihn am 23. März in seiner Wohnung. Ein Selbstmordversuch mißlang. Vom Oberhofgericht unter Vorsicht des Karl Freiherr von Drais zum Tode verurteilt, wurde er am 20. Mai 1820 auf dem Schafott auf dem heutigen Wasserturm-Gelände vom Heidelberger Scharfrichter enthauptet. Ursprünglich auf dem lutherischen Friedhof in Q 7 beigesetzt, wurde er 1869 auf Betreiben von Gemeinderat Wilhelm Langeloth und Holzhändler Louis Hunkler auf den Hauptfriedhof überführt.
Pyramidenstumpf auf Cippus, Sandstein; im Sockel nachträglich eingefügtes Bronzemedaillon mit Portrait des Verstorbenen, Inschrift "CARL LUD. SAND 1820". Signatur "C.L. SAND 1906". Darüber "Alles Ird'sche ist vollendet, und das Himmlische geht auf!", Vers von Lands Lieblingsdichter Theodor Körner. In der Basis Eichenlaubfeston. Signatur des Steins "I:C: Korwan". An Sands 50. Todestag, dem 20.05.1870, Enthüllung des Gedenksteins.
Kotzebue, August Friedrich von
Grab-Nr. 138
(Ehrengrab) 1761 - 1819 * Weimar. Der Jurist brachte es in russischem Staatsdienst, aber auch als Schriftsteller zu Ansehen. Hoftheaterdichter in Wien. 1800 in Rußland nach Sibirien verbannt, rehabilitiert, Direktor des Deutschen Theaters in Petersburg. Als Staatsrat, persönlicher Berichterstatter des Zaren nach Deutschland entsandt, kam er 1818 nach Mannheim. Mit mehr als 200 Dramen war er der meistgespielte deutsche Autor, einige Lustspiele hielten sich, auch in Amerika. In seinem "Literarischen Wochenblatt" wandte er sich gegen liberale Ideen der Burschenschaftler: Anlaß für den Studenten Karl Ludwig Sand, ihn mit "Hier, Du Verräter!" ins Herz zu stechen. Es war der erste politische Mord in Deutschland. ( Friedrike von Essen 1763 - 1790,
2. Christiane von Krusenstjern 1769 - 1803,
3. Wilhelmine von Kursell, geb. Krusenstjern 1778 - 1852.
Gedenktafel in A 2, 5, Wohnsitz und Tatort. Nach dem Sohn Otto von Kotzebue, 1788 - 1846, der als Naturforscher drei jeweils dreijährige Weltreisen unternahm, zahlreiche Inseln entdeckte, mehrbändige Berichte schrieb, sind eine Eskimo-Stadt und der Sund in West-Alaska benannt.
Eigenwilliges Grabmal in Mainsandstein, M. Pozzi von zwei Theatermasken gestützter, auf eine Kante gestellter Würfel mit Inschriften "DIE WELT VERFOLGT IHN OHN' ERBARMEN/VERLÄUMDUNG WAR SEIN TRÜBES LOOS,/GLÜCK FAND ER NUR IN SEINES WEIBES ARMEN/UND RUHE IN DER ERDE SCHOSS./DER NEID WAR IMMER WACH, IHM DORNEN HINZUSTREUEN/DIE LIEBE LIS IHM ROSEN BLÜHEN;/IHM WOLLE GOTT UND WELT VERZEICHEN:/ER HAT DER WELT VERZIEH'N."
Plinthe, weich plastiziert, über grob bossiertem Sockel.
Wussten Sie, dass Täter und Opfer auf dem gleichen Friedhof in Mannheim begraben sind ? Und ist Ihnen bekannt, dass in das Untersuchungsverfahren E.T.A Hoffmann verwickelt war ?
Ihnen eine gute Zeit...
aus dem Netz:
Sand, Karl Ludwig
Grab-Nr. 83
(Ehrengrab) 1795 - 1820* Wunsiedel. Der Student im Bann der Burschenschaften in Jena, betrachtete aufgrund von Publikationen Staatsrat und Dichter August von Kotzebue als russischen Spion und Feind studentischer Ideen. Er kam 1819 nach Mannheim mit dem Vorsatz ihn umzubringen, überraschte und erdolchte ihn am 23. März in seiner Wohnung. Ein Selbstmordversuch mißlang. Vom Oberhofgericht unter Vorsicht des Karl Freiherr von Drais zum Tode verurteilt, wurde er am 20. Mai 1820 auf dem Schafott auf dem heutigen Wasserturm-Gelände vom Heidelberger Scharfrichter enthauptet. Ursprünglich auf dem lutherischen Friedhof in Q 7 beigesetzt, wurde er 1869 auf Betreiben von Gemeinderat Wilhelm Langeloth und Holzhändler Louis Hunkler auf den Hauptfriedhof überführt.
Pyramidenstumpf auf Cippus, Sandstein; im Sockel nachträglich eingefügtes Bronzemedaillon mit Portrait des Verstorbenen, Inschrift "CARL LUD. SAND 1820". Signatur "C.L. SAND 1906". Darüber "Alles Ird'sche ist vollendet, und das Himmlische geht auf!", Vers von Lands Lieblingsdichter Theodor Körner. In der Basis Eichenlaubfeston. Signatur des Steins "I:C: Korwan". An Sands 50. Todestag, dem 20.05.1870, Enthüllung des Gedenksteins.
Kotzebue, August Friedrich von
Grab-Nr. 138
(Ehrengrab) 1761 - 1819 * Weimar. Der Jurist brachte es in russischem Staatsdienst, aber auch als Schriftsteller zu Ansehen. Hoftheaterdichter in Wien. 1800 in Rußland nach Sibirien verbannt, rehabilitiert, Direktor des Deutschen Theaters in Petersburg. Als Staatsrat, persönlicher Berichterstatter des Zaren nach Deutschland entsandt, kam er 1818 nach Mannheim. Mit mehr als 200 Dramen war er der meistgespielte deutsche Autor, einige Lustspiele hielten sich, auch in Amerika. In seinem "Literarischen Wochenblatt" wandte er sich gegen liberale Ideen der Burschenschaftler: Anlaß für den Studenten Karl Ludwig Sand, ihn mit "Hier, Du Verräter!" ins Herz zu stechen. Es war der erste politische Mord in Deutschland. ( Friedrike von Essen 1763 - 1790,
2. Christiane von Krusenstjern 1769 - 1803,
3. Wilhelmine von Kursell, geb. Krusenstjern 1778 - 1852.
Gedenktafel in A 2, 5, Wohnsitz und Tatort. Nach dem Sohn Otto von Kotzebue, 1788 - 1846, der als Naturforscher drei jeweils dreijährige Weltreisen unternahm, zahlreiche Inseln entdeckte, mehrbändige Berichte schrieb, sind eine Eskimo-Stadt und der Sund in West-Alaska benannt.
Eigenwilliges Grabmal in Mainsandstein, M. Pozzi von zwei Theatermasken gestützter, auf eine Kante gestellter Würfel mit Inschriften "DIE WELT VERFOLGT IHN OHN' ERBARMEN/VERLÄUMDUNG WAR SEIN TRÜBES LOOS,/GLÜCK FAND ER NUR IN SEINES WEIBES ARMEN/UND RUHE IN DER ERDE SCHOSS./DER NEID WAR IMMER WACH, IHM DORNEN HINZUSTREUEN/DIE LIEBE LIS IHM ROSEN BLÜHEN;/IHM WOLLE GOTT UND WELT VERZEICHEN:/ER HAT DER WELT VERZIEH'N."
Plinthe, weich plastiziert, über grob bossiertem Sockel.
Titania Carthaga - 2006-03-20 16:24
Wunderbar.
Danke! Dass die beiden quasi nebeneinander liegen, wusste ich nicht. Ebenso sind mir die Grabsteine sowie Hoffmanns Verwicklung darin neu. Der Rest allerdings ist mi bekannt. ;o)
Trotzdem noch einmal: vielen Dank!
Trotzdem noch einmal: vielen Dank!
montgelas - 2006-03-20 17:53
Camptz, Sand, Jahn, Hoffmann
Ich bitte um Vergebung. Verwickelt ist nicht ganz korrekt, tangiert trifft bei Hoffmann eher zu.
Denn in der Folge des Attentates und der Karlsbader Beschlüsse wird Jahn von Hoffmann vernommen, der ihn laufen lässt. Das können sie alles nachlesen bei P. Hacks, Die Massgaben der Kunst, Edition Nautilus 1996, S. 881 ff.. ( Ascher gegen Jahn)
Denn in der Folge des Attentates und der Karlsbader Beschlüsse wird Jahn von Hoffmann vernommen, der ihn laufen lässt. Das können sie alles nachlesen bei P. Hacks, Die Massgaben der Kunst, Edition Nautilus 1996, S. 881 ff.. ( Ascher gegen Jahn)
Titania Carthaga - 2007-11-28 16:26



ANNO 1900, Weimar. Eine kulinarisch-literarische Ausschweifung











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