
Mit der Moral verhält es sich ebenso wie mit dem Gesetz (es ist ja selbst eines, wenngleich kein juridisches) - sie hat den Anspruch, individuelle Richtlinien auf das Niveau von Allgemeingültigkeit zu heben. Sie versucht also, normativ zu sein - was jedoch i m m e r zum Scheitern verurteilt ist. Weil ihr ein demokratischer Wille innewohnt, zu vereinheitlichen und der ängstlichen Mehrheit gerecht zu werden, was bei zwischenmenschlichen Beziehungen nicht greifen k a n n. Denn diese erschaffen sich stets ihre eigenen Handlungsrichtlinien - wenn es sein muss, auch an der Moral vorbei. Nur die Ängstlichen brauchen eine Moral als Richtlinie, weil sie sonst stets in der Zwangslage wären, ein jedes Mal aufs Neue und vor allem (!) jedes Mal a n d e r e zu generieren, was zwangsläufig eine stete Unsicherheit zur Folge hat. Mit der können die Ängstlichen nicht umgehen. Es sind dann auch sie, die
Angst vor Wahrheit haben und zu Wahrhaftigkeit nicht fähig. Denn Unsicherheit, also Freiheit, birgt immer die Gefahr von Schmerz.
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