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18
Feb
2007

Arrestiert

aposSowas kann auch wieder nur m i r passieren. Die mich seit längerem begleitenden Leser werden sich unter Umständen an die eine oder andere schräge Aktion in den vergangenen Monaten (oder Jahren) erinnern. In eine ähnliche Kategorie fällt auch mein gestriges Erlebnis. Nun gut, sie war dieses Mal immerhin keine mit physischer Verstümmelung. Eine autoagressive Tendenz wohnt jedoch auch ihr inne... :o)
Gestern nachmittag, ich saß noch über einem Textauftrag, kündigte sich mein Herr Vater an, später (undefiniert, gefühlt jedoch war eine halbe bis eine Stunde gemeint) bei mir hereinschneien zu wollen (was ich unglaublich praktisch fand, gedachte ich doch, den lieben Herrn Papa dieses Mal ausnahmsweise um drei Eureten zu bitten, leihweise, versteht sich, da im Moment, ja, das Wasser bis zum Halse steht.). Man verabredete, er rufe direkt davor noch einmal an, um sein Erscheinen anzukündigen. Nach dem Auflegen wollte ich mich der Unmengen Kaffees entledigen, die ich bis dato in mich hineingeschüttet hatte. Die Badezimmertür zuzuklinken ist natürlich zu umständlich, vor allem, wenn man es eilig hat. Also flog sie mit einem Schubs zu. Was ich nicht bedacht hatte und mir erst in dem Moment wieder einfiel, als ich hinaus wollte: an der äußeren Klinke der Badezimmertür war seit geraumer Zeit das kleine Schräubchen locker, so dass Besucher, die das nicht wussten, bisweilen die Klinke beim Zuziehen der Tür in der Hand hielten. Alles kein Problem - bis zu diesem Zeitpunkt. Durch das schwungvolle Zuschubsen der Tür war besagte Klinke leider zu weit nach draußen gerutscht - und ich klinkte ins Leere. Verdammt. Ich sah mich kurz nach Dingen im Bad um, die als Werkzeuge taugen könnten. Nagelschere, Pinzette, Haarnadeln... alles nicht so g a n z geeignet, wie ich nach einigem Probieren feststellen musste. Eine Zange wäre hilfreicher gewesen, um den Bolzen der äußeren Klinke wieder nach innen zu ziehen. Nächste Überlegung: aus dem Fenster gucken - vielleicht ist da ja grad zuuuuuufälliger Weise jemand im Hof, der helfen könnte. Zweite Fehlanzeige.
Nach kurzer Rekapitulation meiner Situation und einem herzlichen und lauten Lacher entschied ich mich - was blieb mir auch anderes übrig - eben auf meinen Lieblingsmitbewohner 1 zu warten, der ja hoffentlich irgendwann demnächst auftauchen würde. Gegen sieben war ich ja außerdem zum Essen verabredet, weswegen ich eh duschen und Haare waschen wollte. Ganz pragmatisch entschied ich mich also für eine Körperpflege-Session (es hätte wahrlich ein schlechterer Ort sein können zum Festsitzen) und ließ mir eine Wanne ein. Nun stand mir also auch realiter das Wasser bis zum Hals.
Draußen im Wohnzimmer klingelte derweil mehrfach mein Mobilchen - mein Herr Papa, der sein Kommen ankündigen und mir seinen Wunsch nach Kaffee übermitteln wollte. Pech, ich kam ja nicht ans Telefon. (Merke: i m m e r Handy mit auf die Toilette nehmen, und sei es zum Tetris spielen!)
Zum Glück steht im Bad ein Radio, ergo konnte ich wenigstens annähernd verorten, in welcher Zeit ich lebte. Als mein Wannenbad beendet war und es auf viertel sieben (für die Wessis: viertel nach sechs) ging, schrumpfte die Wahrscheinlichkeit, hier innerhalb der nächsten halben Stunde befreit zu werden. Lieblingsmitbewohner Nr. 1 war mit seinen Israelis unterwegs - die gedankliche Variante, dass er erst nach Mitternacht auftauchen könnte, war immerhin wahrscheinlich. Lieblingsmitbewohner Nr. 2 war zwar auf dem Weg zurück nach J-town, aber das wusste ich nicht, denn diese Information steckte in einer SMS auf meinem Mobilchen, und das lag, genau, im Wohnzimmer. Ich überlegte mir bereits, was ich also bis Mitternacht hier drin tun könnte: Bad wischen, Fliesen säubern, Duschkabine schrubben, endlich mal die Hundertschaften von Tuben und Fläschchen entstauben, Spiegel putzen - Beschäftigung hätte ich auf jeden Fall, um mir die Zeit zu vertreiben.
Aber wenn ich schon Verabredung Nr. eins hatte sausen lassen müssen und damit die Möglichkeit, an etwas Handgeld zu kommen, um das Wochenende und die ersten Tage der Woche zu überleben, wollte ich die zweite nicht auch noch verpassen. Also erneut das Badfenster aufgerissen - inzwischen wars draußen dunkel geworden - und in Bademantel samt Handtuchturban aus selbigem hinausgeäugt. Und - oh Wunder - im Hof entdeckte ich tatsächlich grad einen, der den Müll hinaus- und in die Tonne trug. Wie aber macht man jemandem in dem Aufzug, im Halbdunkel - er wird kaum mehr als meine Silhouette gegens Licht erkannt haben können - aus dem Dachgeschoss klar, welches Problem man hat und dass er einem helfen könne?!
Nach einigem Gestikulieren und Versuchen, ihm meine Lage auseinander zu setzen, verstand er, zückte sein Mobilchen (wer nimmt ein Handy zum Müll runtertragen mit?) und tippte die Nummer des Hausverwalters, die ich zum Glück im Kopf hatte, dort hinein. Noch erstaunlicher: er erreichte den sogar unter der Büronummer: zum Samstag frühabends!
Eine viertel Stunde später wurde die Wohnungstür aufgeschlossen, ein vorsichtiges Hallo in den Raum geworfen und ich klopfte von innen gegen die Badtür, die kurz darauf geöffnet wurde. Ich - in besagtem Aufzug - stand da und blickte in das breit grinsende Gesicht meines Hausverwalters. So oft wird auch ihm das schließlich nicht passieren, eine junge Dame in Bademantel aus dem Badezimmer zu befreien.
So haben er und ich also beide eine weitere Anekdote, die wir - wie, wo und wann auch immer - zum besten geben können. Und ich konnte - wenngleich mit Zeitverzögerung - meine Abendessenverabredung einhalten .

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caliente_in_berlin - 2007-02-18 16:48

Danke, danke, danke für diesen Text. Ich habe gerade herzlich gelacht. *g*

(aber wieso hat man die Nummer des Hausverwalters im Kopf?)

Titania Carthaga - 2007-02-18 16:52

Weil ich in diesem Haus schon einmal 3 Jahre wohnte, bevor ich für 11 Monate abstinent war und außerdem die Büronummer sehr einfach zu merken ist, wie ich zumindest finde - eine schöne Zahlenkombi.
Zusätzlich muss ich wohl erwähnen, dass ich die Macke habe, mir sehr gut Zahlenkolonnen merken zu können - auch solche, in denen andere keine Regelmäßigkeiten oder Wiederholungen entdecken. Ganz einfach deswegen: weil sich mir Zahlenfolgen hauptsächlich über ihre Melodie und ihren Rhythmus einprägen :)
Da fällt mir ein - die Zahlenmacke wäre auch ein Kandidat dafür gewesen.
Erizo Erizado (Gast) - 2007-02-19 13:57

Die Geschichte passt ja zu Dir wie die Faust aufs Auge, oder besser gesagt, das Streichholz auf selbiges, Aharharhar !!!

Liebe Grüße aus dem provinziellen und langweiligen Gera in meine alte Lieblingsstadt...

Titania Carthaga - 2007-02-19 15:51

Ja, selbstverständlich passt die Geschichte in die Tradition meiner Mißgeschicke (nicht umsonst sind die früheren erwähnt und verlinkt) - und ich könnt mich immer noch drüber beömmeln. :)
Ich sags ja immer wieder: sowas kann halt echt nur mir passieren. Oder vielmehr: ich scheine das Talent zu besitzen, auch in der Situation selbst bereits über die wirklich k o m i s c h e Komponente dieser lauthals lachen zu können. Andere täten's vielleicht nicht.

Viele Grüße in meine ehemalige, ungeliebte hometown!
wvs - 2007-02-19 18:14

Wie heißt es doch gleich ....

im Volkmund?
"Die besten Geschichten schreibt das Leben!"
Wieder einmal bewiesen ....

Titania Carthaga - 2007-02-19 21:25

Klar doch. Die Welt hat wirklich immer wieder die schönsten Einfälle.... ;o)
wvs - 2007-02-19 21:56

Ich kann wohl jetzt ....

verraten, daß ich in meinem Kulturbeutel immer verschiedene Werkzeuge mitführe, darunter einen Drei- und einen Vierkant-Schlüsel, ein Schweizer Taschenmesser (u.a. mit Säge) und eine Mini-Taschenlampe .... weil:
Man weiß ja nie, was in der Fremde so passiert .... denn laut Parkinson heißt es "Wer vorher plant ist nachher auf weniger Improvisation angewiesen!"
Titania Carthaga - 2007-02-19 22:02

Herr Panthol, all diese Dinge hätten mir genauso wenig genützt wie ne Nagelfeile. Was ich gebraucht hätte, war eine ZANGE - und zwar ne ordentliche, mit der man zupacken kann.
wvs - 2007-02-20 00:03

"wvs", Verehrteste, bitte ....
Mit einem Vierkant kann man - anstatt Klinke - den Türöffner bedienen ....
steppenhund - 2007-02-22 17:18

Das für mich herausragende an der Geschichte ist der "herzliche und laute Lacher". Ich stelle mir vor, dass man mit so einer Person gut zusammenleben können müsste.

Titania Carthaga - 2007-02-22 18:06

Wie oben gesagt: ich scheine das Talent zu besitzen, solchen Situationen, auch wenn ich noch drin stecke, der komischen Komponente einiges abgewinnen zu können. Ob d a s nun zwingend zur Folge hat, was Du daraus schließt, wage ich indes zu bezweifeln... :)
steppenhund - 2007-02-22 18:27

vielleicht keine hinreichende doch notwendige Bedingung ...
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steppenhund - 2009-11-17 16:43
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Titania Carthaga - 2009-11-17 16:30
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Gratuliere. Dem Mann ist vermutlich auch zu gratulieren...
steppenhund - 2009-11-17 15:59
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Titania Carthaga - 2009-11-17 15:59
Genau!
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Ralf (Gast) - 2009-11-17 12:57
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Titania Carthaga - 2009-11-17 10:55

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