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25
Apr
2007

Freiheit 2.0

aposVor ein paar Tagen saß ich mit T_Tiger beim Spanier. Wir sprachen von Erinnerungen, Reisen und den dazugehörigen Bildern im Kopf. An der Wand hing ein Kachelmosaik, das mich entfernt an das Weiße Gold Dresdens erinnerte. Rote und gelbe Farbe verflossen darauf zur Flagge.
"Manchmal wünsche ich mir, man könnte all die Bilder im Kopf via Bioport auslesen, um sie anderen zu zeigen", sagte er da.
"Bist du dir sicher?"
"Dann könnte man die inneren Bilder endlich mit anderen teilen."
"Dafür gibt es Literatur, Musik, Kunst."
"Ich kann nicht malen - oder schreiben wie du."
"Aber davon erzählen. Das ist fast das Gleiche."
Ich stützte mich auf die dunkle Tischplatte und meine Unterarme, während er einen Schluck Wein von meinem Glas nahm.
"Wenn alle Bilder, die da oben", ich tippte ihm mit dem Zeigefinger gegen die Stirn, "gespeichert sind, ausgelesen werden könnten: ich bin mir sicher, du würdest vor deinen eigenen erblassen."
"Schon möglich." Er nickte dabei.
"Ziemlich sicher sogar. Ich halte die lieber weggesperrt und als Archiv für meine Träume oder Texte - entscheide jedenfalls selbst, was davon ich in die Welt lasse. Natürlich wird immer nur ein Teil nach draußen dringen, nie das Ganze, schon aufgrund von Bewusstheiten. Die Ahnung ist schließlich erst das, was es spannend macht. Und sie ist zumindest e i n e Voraussetzung dafür, dass Kunst überhaupt funktioniert."
"Aber der Künstler hat das nötige Handwerkszeug und vor allem Talent, das ich nicht besitze, um auch nur diese Ahnung zu erzeugen. Ich kann es nur perzipieren."
Schlank und schwarz saß er auf der Bank. Über ihm flatterte die Fahne.
"Es gibt noch einen anderen Grund, warum ich mir das definitiv nicht wünsche, wiewohl ich weiß, dass es am Fortschritt nichts ändert."
Ich nahm eine Zigarette aus der Schachtel und zündete sie an.
"Und zwar?"
Langsam blies ich den Rauch aus.
"Freiheit."
Durch den Rauch sah er mich an. Er liebte den leicht süßen Geruch des ersten Zigarettenzugs ebenso wie ich, obwohl er nicht rauchte.
"Mein Kopf kann zwar durchleuchtet und meine Gehirnströme gemessen werden. Man kann mir Dutzende Sensoren auf die Haut kleben, um meine Gefühlslage per Schweißproduktion undsoweiter zu analysieren. Jeder, den es interessiert, kann meine Spuren im Netz oder auf dem Erdball verfolgen. Wenige Klicks genügen, um herauszufinden, wann ich für was mit VISA gezahlt habe und dass ich meinetwegen gerade in Sevilla war. Aber meine G e d a n k e n gehören allein mir. D a s ist die letzte Bastion. Die allerletzte. Und die will ich mir nicht nehmen lassen - um keinen Preis."

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http://rdh.twoday.net/stories/3657068/modTrackback

littleandy (Gast) - 2007-04-26 08:35

Genau

"Die Gedanken sind frei..."

Noch jedenfalls. Aber unser aller Schäuble wird schon einen Weg finden.

Titania Carthaga - 2007-04-26 10:33

Wenn er dürfte könnte, er würde all diese Mittel und Wege einsetzen. Dann würden wir irgendwann unsere Identität verlieren und zu Borgs verkommen.

Ich beginne mich nach Schily zurückzusehnen...
franzzi (Gast) - 2007-04-26 12:05

Wirklich sehr gut gesprochen :)

Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet,....

Viel zu oft denken wir gar nicht mehr darüber nach, dass wir so etwas wie Freiheit haben. In der heutigen Welt. In der viele ohne Zucken bereit sind, ihre genetischen Daten wegen der Terrorabwehr in Ausweise pressen zu lassen und pikanteste Details in Fragebogenform vor der (US-)Regierung auszubreiten.

Wir nähern uns all den Horrorszenarien, etwa George Orwells, und wir merken es nicht einmal. Wenn wir erst dort sind, ist es zu spät. Deswegen behalten wir alle unsere Gedanken da wo sie hingehören: in unserem Kopf.

Titania Carthaga - 2007-04-26 12:12

Siehe Kommentar & Link eins drüber ;o)

Die wenigsten sind sich wirklich b e w u s s t, wie weit wir schon sind. In England wurde bereits vor dreivier Jahren darüber diskutiert, ob man Babys nicht einen Chip zu Ortungszwecken unter die Haut implantieren könne - zum Schutz vor Verbrechen an ihnen. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, dass diese Chips definitiv nicht wieder entfernt würden, wenn die Kinder keine mehr sind. Dann wären wir bei eXistenZ, Minority Report, Orwell et al. angelangt. Wir sind auf dem besten Weg dorthin.

edit: Mir fällt noch einiges zum Thema Freiheit ein, aber das schreib ich heute Abend. Jetzt muss ich erstmal los...
ferromonte - 2007-04-26 23:50

der chip würde auch ein verbrechen nicht verhindern, sondern nur das auffinden des opfers erleichtern. seine lebensfunktionen zu monitoren; vielleicht einfluß auf sein denken und fühlen zu nehmen.
die wichtigste funktion: ihn zu kontrollieren. und ich halte das wirklich nicht für science fiction - wir sehen täglich die kräfte, die das fördern und vorhaben, eigentlich unverhüllt. wir können denen nicht vorwerfen, sie hätten etwas im geheimen geplant oder getan, wenns einmal so weit sein wird (kein reisepaß, keine kreditkarte, kein krankenschein: nur der chip).
franzzi (Gast) - 2007-04-26 12:15

Du hast übrigens Post ;)

Titania Carthaga - 2007-04-26 12:16

Ah!! Da schau ich doch gleich mal ;o)
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