Kuss unterm Mistelzweig
Warum ist es eigentlich Brauch, sich unter dem Mistelzweig zu küssen?
TC hat da mal nachgelesen:
S. 734: Der goldene Mistelzweig ermöglichte nach heidnischem Glauben den Zutritt zur Unterwelt. Die goldene Farbe trockener Misteln war, wie das Metall Gold, ein Symbol der Verklärung nach dem Tode. Die lebende Pflanze verkörperte das Genital des Eichengottes, oder das von Zeus, Jupiter oder Dianus von Dodona…
S.735: Die phallische Bedeutung der Mistel beruhte möglicherweise auf der Vorstellung, dass ihre weißlichen Beeren Samentropfen seien, so wie die roten Beeren des weiblichen Gegenstücks, der Stechpalme *), mit dem Menstruationsblut der Göttin gleichgesetzt wurden.
[…]
Manche leiten den sächsischen mis-el-tu von Mas, dem „Messias“ (Vishnu) des Sanskrit her, und von tal **), einer Grube, die den Schoß der Erde verkörperte. Die Mistel symbolisierte so das Eindringen des Gottes in seine Mutter-Braut. Das Wort der Nordeuropäer für Mistel war „Guidhel“, also ein Führer (guide) zur Unterwelt, wie schon in der Aeneis von Vergil.
[…]
Die Mistel war durch ihre phallische Bedeutung der „Schlüssel", der den Schoß der Unterwelt öffnete…
*) S. 1049: Sie war der heilige Baum der Mutter Holle, oder Hel, der Göttin der Unterwelt. Germanische Hexen, die diese verehrten, bevorzugten das Holz der Stechpalme, holly wood, für ihre Zauberstäbe… Die englische Bezeichnung für die Stechpalme, holly, ist sprachlich verwandt mit hole, „Loch“, Hels yonischer „Höhle“.
**) das a aus tal wird sprachhistorisch zu e abgeschliffen [im Rahmen der ahd. Lautverschiebung]
zit. nach: Walker, Barbara, Das geheime Wissen der Frauen, FFM 1993.
Schön! So lernt man während des HA-Schreibens gleich noch, fast nebenbei, warum Frau Holle heißt, wie sie heisst und dass sie quasi die Namensmutter der Filmindustrie ist - lacht
Titania Carthaga - 2004-11-22 20:39
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wvs_at_re-actio.com - 2004-11-22 23:47
Ja, ja ....
"the holly and the ivy, when they are both full grown". Sehr beliebtes Weihnachtslied im englischsprachigen Raum. Sehr aufschlußreich auch die Abhandlung zum Wortstamm / Hintergrund.
Aus biologischer Sicht bedauerlich ist hingegen, daß die Mistel auf diesem Wege der Ausrottung entgegengeht. Als "Schmarotzer" senkt sie ihre Pseudo-Wurzeln tief in die Baumrinde bis zu den flüssigkeitsführenden Gefäßen, hat also keinen Erdkontakt, und saugt dort die nährstoffreiche Flüssigkeit auf. Wegen dieser Besonderheit findet man sie hoch in den Wipfeln der Bäume - und trotzdem wird sie dort "geerntet" wenn es wieder weihnachtet ....
Schöner fände ich in diesem Fall, wenn man Nachbildungen benutzen würde [obwohl ich sonst gegen Künstliches bin].
Aus biologischer Sicht bedauerlich ist hingegen, daß die Mistel auf diesem Wege der Ausrottung entgegengeht. Als "Schmarotzer" senkt sie ihre Pseudo-Wurzeln tief in die Baumrinde bis zu den flüssigkeitsführenden Gefäßen, hat also keinen Erdkontakt, und saugt dort die nährstoffreiche Flüssigkeit auf. Wegen dieser Besonderheit findet man sie hoch in den Wipfeln der Bäume - und trotzdem wird sie dort "geerntet" wenn es wieder weihnachtet ....
Schöner fände ich in diesem Fall, wenn man Nachbildungen benutzen würde [obwohl ich sonst gegen Künstliches bin].
Titania Carthaga - 2004-11-23 02:59
Wg: Ivy
Der Dionysoskult verband die weibliche Stechpalme mit dem Efeu, dem männlichen Gottessymbol. Zur Sonnwendfeier wurden die Hauseingänge mit grünen Zweigen beider Pflanzen geschmückt. [vgl. ebd., S. 1049.] Wie DAS aber nun wieder den Weg vom Süden in den Norden, vom Sommer in den Winter fand...? Keine Ahnung.
Die Mistel hat also keinen Erdkontakt - wie auch? Sie symbolisiert Zeus, den Göttervater, der hoch droben im Olymp schwebt! Seit wann kann man von Zeus behaupten, er hätte "Erdung"? Nein, ich rede nicht von den vielzähligen Schürzenjägerambitionen auf Erden
lacht & trollt sich nun endlich ins Bett
Die Mistel hat also keinen Erdkontakt - wie auch? Sie symbolisiert Zeus, den Göttervater, der hoch droben im Olymp schwebt! Seit wann kann man von Zeus behaupten, er hätte "Erdung"? Nein, ich rede nicht von den vielzähligen Schürzenjägerambitionen auf Erden
lacht & trollt sich nun endlich ins Bett



ANNO 1900, Weimar. Eine kulinarisch-literarische Ausschweifung











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