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6
Aug
2007

Tango du matin

aposEr solle sich endlich klar werden, was er wolle, statt seine Masken zu wechseln, wie es ihm gerade beliebt, habe sie ihm vorgeworfen.
Sie kenne, schiebt er nach, ihn ja ziemlich genau, nach den Jahren.
Die Stimme Gardels schwebt überm Zigarettendunst im Zimmer, durch das einzelne Sonnenstrahlen Morgenbotschaften senden.
Ob sie deshalb auch recht habe, frage ich ihn.
Könnte sie.
Seine Lippen saugen sich am Filter fest. Rot und zerbissen zwingen sie meinen Blick auf sich.
Ob es aber auch für ihn stimme, höre ich mich aus dem Off sprechen. Oder für andere?
Wir schweigen eine Weile, sehen dem Rauch nach, der tänzelnd zur Decke steigt.
Es ist doch nicht entscheidend, ob oder wie gut man jemanden kennt, sondern welche Perspektiven man anzunehmen bereit ist, versuche ich es ein letztes Mal.
Er drückt die Zigarette in den Aschenbecher, der zwischen uns steht.
Objektivität ist ein Hirngespinst.
Die rechte Hand spielt mit dem Feuerzeug, der Verschluss klackt silbern. Seine Initialen ziselierend darauf graviert. Ich beuge mich hinüber zu seinem Kopf, der im weißen Kissen ruht, über die feuchten Strähnen, die dunkel in die Stirn fallen, und zu seinem rauhroten Mund. Halte inne, da blickt er hoch zu mir. Ich küsse flüchtig seine Stirn, schmecke Salz, er lächelt kurz. Mein Magen verkrampft. Rutsche seitlich aus dem Bett und gehe ins Bad.
Als ich zurückkomme, liegt noch das silberne Feuerzeug auf dem weißen Laken, Rauchschlieren stehen selbstvergessen im Raum.

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V - 2007-08-06 12:11

Objektivität ist ein Hirngespinst? Hmmm...

Ja, vielleicht, sicher ein Ideal, das sich letztlich auf den Begriff der Wahrscheinlichkeit reduziert, vielleicht aber auch ein - in gewisser Weise - notwendiges? Man weiß es nicht!

:-)

Titania Carthaga - 2007-08-06 12:30

Objektivität gibt es nur innerhalb einer Perspektive.
V - 2007-08-06 12:31

Die man aber mit anderen teilen kann.
Titania Carthaga - 2007-08-06 12:38

Selbstverständlich. So kreiert sich der >Eindruck< von Objektivität. Eine Frage der In- bzw. Outgroups.
franzzi (Gast) - 2007-08-07 11:23

...natürlich ist Objektivität ein Hirngespinst...deswegen haben wir uns ja die Intersubjektivität erfunden.... :D

...aber was sollte es überhaupt bringen, objektiv sein zu können? Welchen Vorteil sollte es haben, den eigenen Standpunkt im System, die Koordinaten bestimmt durch Erfahrungen, Gedanken und Gefühle, zu verlassen...zu negieren...ich kann keinen erkennen.

Titania Carthaga - 2007-08-07 12:13

Warum gibt es dann Glaubenskriege?
franzzi (Gast) - 2007-08-07 12:31

Weil der Mensch eben oft genug auf seinen Koordinaten festgeschraubt ist. Von denen in die Welt sieht. Sich sieht. Die anderen sieht. Und seine Meinung über die der anderen stellt. Seine Überzeugungen denen der anderen überlegen hält. Subjektiv eben.

Und er wird alles tun, um die anderen von der Richtigkeit seiner Koordinaten, seines Glaubens zu überzeugen. Und da Argumente, die sich auf Glauben stützen, einander letztlich aufheben und eines so gut wie das andere ist, alle recht haben und niemand nachgeben will, wechseln sie die Mittel.

Und versuchen den anderen mit Gewalt von der Richtigkeit der eigenen, bzw. von der Unrichtigkeit der Gedanken des Gegenüber zu überzeugen.

Außerdem darf man ja nicht vergessen, dass viele politische Kriege unter dem Deckmantel der Religion geführt worden sind. Weil diese Art von subjektiver Weltdarstellung verführbar und benutzbar macht. Und weil die meisten Glauben für sich selbst proklamieren, die einzig Wahren zu sein.

Gäbe es Objektivität, würde das aber kaum was ändern. Denn was sollte die Glaubenskrieger dazu bringen, ihren systemimmanenten Standpunkt zu verlassen, den sie doch so gern haben, dass sie ihn ggf. mit ihrem Leben verteidigen?!

Titania Carthaga - 2007-08-07 12:50

Danke für diese Ausfomulierungen, sie belegen nur einmal mehr dies.
Ich pflichte Dir aboslut bei. Wenn man allerdings die Perspektive (jaja) ändert und sich in sie hineinversetzt, erheben die Glaubenskrieger doch stets den Anspruch der absoluten Wahrheit, mithin 'Objektivität'...
franzzi (Gast) - 2007-08-07 12:51

Jaja, was sie für sich erheben und wenn es die objektivste Objektivität ist, ist ja doch immer nur subjektiv ;)

Aber sind wir objektiver, weil wir das wissen? Wer weiß.

Titania Carthaga - 2007-08-07 12:57

Grinst. Nein, sind wir nicht. Es ist unsere Binnenperspektive. Eine übergeordnete Instanz (eben: Objektivität) gibt es nicht.
gargantua (Gast) - 2007-08-08 10:09

Oh, ich halte es nicht für allzu klug, vorschnell zu behaupten 'Objektivität' gebe es nicht. Das ist ja so, als würde man behaupten können, dass die Erde eine Scheibe sei, bloss weil aus unserer 'Perspektive' alles flach auszusehen scheine.
Ich würde behaupten wollen, dass die 'Objektivität' gerade ausserhalb jeglicher(!) 'Perspektive' - die Perspektive ist eben nur der 'Ausschnitt' und die Bewertung, der darin enthaltenen und für einen Menschen auswertbaren 'Parameter' - durchaus existiere. Sie mag zwar für das einzelne, denkende Individuum nicht erreichbar sein, dies muss aber ihre Existenz nicht negieren. Wo wir auch gleich beim Problem der 'Simulationen' wären. Nehmen sie an es gäbe einen Rechner, der alle Parameter unserer Existenz erfassen und somit zu nur einem(!) Simulationsergebniss kommen würde - wäre ein solcher Rechner nicht 'Objektiv'?

Titania Carthaga - 2007-08-08 16:39

Ich überlege gerade aufgrund Deines Kommentars, ob die naturwissenschaftliche Objektivität eigentlich da herausgenommen werden kann oder ob nicht auch sie der Subjektivität unterliegt. Messbarkeit hin oder her: wir wissen auch, dass das Ergebnis einer meinethalben Studie oder eines Experiments sehr mit der Intention jener/s korreliert.
franzzi (Gast) - 2007-08-10 00:01

Auch in den Naturwissenschaften funktioniert alles nur in dem von uns erdachten System. Wer sagt, dass die Naturgesetze tatsächlich existieren, nur weil sie uns, einem Wesen mit begrenzten Fähigkeiten, Perspektiven und einer selbstkonstruierten Logik, als logisch, schlüssig und unumstößlich erscheinen. Das ist ja das Problem. Die Perspektivhaftigkeit, die bei jedem an einen Standort gebundenen Individuum auftritt.

Und kann eine Maschine objektiv sein, die von subjektiven Menschen konstruiert ist?!

Titania Carthaga - 2007-08-10 00:16

Gut. Ich fasse also zusammen: Es gibt wohl keine Objektivität. Wie ich es im Text ja bereits schrieb. Objektivität ist ein Hirngespinst. Sowohl als auch.
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Titania Carthaga

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