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25
Mrz
2009

trueness. lowdown. verity. truth?

apos
Sind Fakten und Wahrheit das gleiche?

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steppenhund - 2009-03-25 09:28

Na, wohl nicht!

Titania Carthaga - 2009-03-25 09:44

Was unterscheidet Fakten von Wahrheit?
steppenhund - 2009-03-27 07:52

Ich glaube, dass man/frau ab einem gewissen Bildungsgrad den Wahrheitsbegriff anders sehen muss, als er in der Frage ausgedrückt ist. Dass überhaupt Fakten mit Wahrheit in Verbindung gebracht wird, mutet mich schon seltsam an.
Beispiel:
Wenn ich ihm Fernsehen etwas höre, ist es wohl ein Faktum, dass es einmal gesendet wurde. Nicht unbedingt vom Sender, der mir vorgegaukelt wird. Die Inhalte sind gerade jetzt äußerst hinterfragbar. Ist das Faktum, dass ich einen Fernseher besitze, bereits eine Wahrheit. Vielleicht besitze ich ihn gar nicht. Vielleicht habe ich ihn nur geborgt. Oder ich sehe die Sendung gar nicht zuhause. Vielleicht sehe ich gar nicht, sondern höre nur den Sprecher.
Wenn jemand einem anderen eine runterhaut, steckt die Wahrheit wo? Dass er ihn geschlagen hat. Wie sieht es aus, wenn sich derjenige bedankt, weil ihn der andere nur aus einem hysterischen Anfall zurückgebracht hat.
Nicht einmal ein "Ding an sich" kann mit der Wahrheit zusammengebracht werden.
Es gibt auch keine logische Wahrheit. Darüber habe ich immer wieder einmal Beispiele gebracht. (Aber hier erwähne ich einmal nur den Satz von Gödel.)
Wenn jemand sagt: "Fakt ist, ... " meint er damit in der Regel nur einen irreversiblen Vorgang der Vergangenheit. Er könnte lügen. Wenn mehrere Leute das behaupten, klingt es wahrscheinlicher. Es ist wirklich wahr, dass es passiert ist. Wirklich? Vielleicht gab es eine Massenhysterie.
Ist ein Naturgesetz wahr? Das Faktum, dass der Apfel vom Baum fällt. In der Zwischenzeit wurde das Wissen um Gravitation so weit verfeinert, dass unsere ursprüngliche Wahrheit darüber schon lange nicht mehr wahr ist.
-
Vielleicht habe ich auch nur die Frage falsch verstanden. Das wäre ein Faktum. Drückt mein Satz dann eine Wahrheit aus?
Titania Carthaga - 2009-03-31 16:41

siehe weiter unten... :)
Gregor Keuschnig - 2009-03-25 09:52

Interessanter Versuch: "Wahrheitsbegriffe"

Titania Carthaga - 2009-03-25 12:16

Großes

Merci für den Link! Die Seite werde ich mir gleich heute Abend zu Gemüte führen...

Ich möchte aber festhalten (auch, um den Faden von oben aufzunehmen), dass 'Wahrheit' keine Eigenschaft eines Dings, sondern ein Kriterium des Urteils darüber ist - und damit immer erst einmal subjektiv. Je mehr Menschen (Gruppen) zum gleichen Urteil gelangen (sofern sie zur Beurteilung in der Lage sind) oder ein solches Urteil als gegeben akzeptieren, kann man von einer mehr oder weniger Allgemeingültigkeit sprechen. Anders würde z.B. unsere gesamte Mathematik nicht funktionieren...
Aber:
- Was zum Beispiel ist mit Moral? Sind moralische Urteile wahr, weil viele sie für 'richtig' halten?
- Liegt dem Begriff von Wahrheit nicht immer auch eine Form von Idealvorstellung zugrunde?
- Wenn Grundlage eines Urteils von 'allen' akzeptierte Fakten sind, und wenn man ungeachtet subjektiver (emotionaler) Beweggründe logisch vorgeht, sollte man doch immer zum gleichen Urteil und damit zu Wahrheit gelangen?
- Ergo hängen Fakten und Wahrheit sehr eng, ja fast untrennbar miteinander zusammen; lediglich die Reihenfolge (erst Fakten, dann Urteil und damit Wahrheit) unterscheidet sie voneinander.
Gregor Keuschnig - 2009-03-25 12:33

Ich habe das nicht genau durchdacht, würde dem aber zustimmen: Wahrheit ist eine Summe von Fakten, die erst durch deren Auswertung und Einordnung in einen (anderen, grösseren) Kontext zu so etwas wie "Wahrheit" werden.

Die Gefahr in Ihrer Definition liegt ein bisschen in der Aussage, dass sie von der Quantität der Zustimmung (je mehr...zum gleichen Urteil gelangen) auf deren Qualität schliesst. Wahrheiten sind m. E. konsensunabhängig bzw. sollten es sein. Aber letztlich sind selbst wissenschaftliche "Erkenntnisse" (also das, was man gemeinhin für "Wahrheiten" nennt) letztlich nur so lange gültig, bis das Gegenteil aufgezeigt (und bewiesen) wurde.

Das die Naturwissenschaften immer mehr den Wahrheitsbegriff beanspruchen, ist ein Taschenspielertrick mit dem man zwar bequem durch den Alltag kommt, aber nicht unbedingt intellektuell herausgefordert wird. Zu oft hat man sich schon nachweislich geirrt.
steppenhund - 2009-03-27 07:57

Also die Wahrheit der Naturwissenschaft möchte ich einmal aufs Heftigste hinterfragen. Wie GK schon sagt, gab es da schon viele Irrtümer. Es gibt da ja auch das Zitat: Die Wahrheit ist eine Funktion der Zeit. Dann gilt auch die weiter oben vermutete Spekulation, dass sich die Wahrheit nur als Zusammenfassung mehrerer Beurteilungen ergibt. Dass ist nicht der Begriff, den ich unter Wahrheit je akzeptieren könnte.
Wahrheit in der Mathematik ist definitiv und nachweislich nur mehr eine Fiktion!
(Gödel, Turing, Chaitin und abgeleitet die mathematischen Systeme, die zur Beschreibung der Quantenphysik verwendet werden. Also da bin ich ganz "wahrhaftig". Die Erkenntnisse, dass wir nicht einmal in der numerischen Mathematik etwas genau sagen können, ob es stimmt oder nicht, führt gleich zu einer Fortsetzung bei Popper. Aber das führt in diesem Rahmen zu weit.
timanfaya - 2009-03-25 14:51

fakten beziehen sich auf die vergangenheit bis zum aktuellen zeitpunkt der betrachtung. wahrheiten nehmen für sich in anspruch, auch darüber hinaus noch richtig zu sein. wenn man jedoch die erkenntnisse der theoretischen physik dagegen stellt kann das gar nicht sein. es gibt - gesamtheitlich betrachtet, also jenseits der in unserer singularität gefangenen, sehr eingeschränkten weltsicht - schlicht keine wahrheiten.

Gregor Keuschnig - 2009-03-25 15:50

Naja,

beckmesserisch betrachtet erhebt der Satz, dass es keine Wahrheiten gebe ja selbst schon wieder den entsprechenden Anspruch. Selbst die Erkenntnisse der theoretischen Physik basieren wiederum auf Kausalmodellen, denen wir Wahrheit zusprechen. Die allergrössten Gelehrten des Mittelalters hielten es lange genug für die Wahrheit, dass die Erde eine Scheibe sei(diejenigen, die dies ablehnten, sind heute sozusagen Helden).

Ich vermute einmal, wir brauchen mindestens das Gefühl, Wahrheiten zu kennen (erreichen zu können), um existieren zu können. Anderenfalls wäre alles - gleichgültig (im doppelten Wortsinn).
timanfaya - 2009-03-26 11:11

sagen wir's mal so: es ist sicherlich ein unterschied, ob ich über etwas rede was vor oder nach dem urknall betrachtet wird. "vor" geht aus unserer sicht nicht, da die herrschenden gesetze unserer singularität nicht anwendbar sind. es gibt ja auch die ansicht, dass vor dem urknall nichts war. ich fange das thema mal nicht an, aber da kann man auch anders drüber denken. das ist natürlich alles nicht wirklich alltagstauglich. aber das war auch nicht bedingung bzw. inhalt der eigentlichen frage.

das andere, dass ist die philosophische frage, auch das mit dem existieren können. da würde ich eher sagen, dass da jeder für sich seine wahrheitsreform durchzieht und das ergebnis eine allgemeine wahrheit im demokratischen, aber nicht im empirischen sinne ist. denn, wer bestimmt die wahrheit?

eine wahrheit würde ich übrigens doch anführen: wir werden den gesamten zusammenhang des seins nie begreifen. dafür ist unser horizont einfach zu eingeschränkt. und genau deshalb gibt es esoterik und religionen.
steppenhund - 2009-03-27 07:58

@timinfaya

Gut gebrüllt, Lowe!
Zaza (Gast) - 2009-03-26 11:29

Wahrheit ist eine Dimension, die tiefer liegt, als die Fakten (ich alte Mystikerin)

Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.
- Rumi -

Titania Carthaga - 2009-03-26 21:07

Das ist immer so mit solch nicht lokalisierbaren Orten: Man trifft sich dort irgendwann - unversehens.

Gibts im Netz einen lokalisierbaren Ort von Rumi?
Zaza (Gast) - 2009-04-05 06:29


Titania Carthaga - 2009-04-06 17:54

Ich dachte eher z.B. an ein Blog, das selbigen Namen trägt.
Zaza (Gast) - 2009-04-05 06:34

Nachtrag

Unversehens trifft man sich dort eher selten, denke ich. An diesen Punkt zu gelangen, erfordert fuer die meisten Menschen viel Arbeit an sich selbst.

Titania Carthaga - 2009-04-06 17:56

Dem widerspreche ich auch nicht. Nur denke ich, der Schritt über die Schwelle geschieht oft unvermittelt. Man stellt erst im Nachhinein plötzlich fest, dass man dieses Wgstück bereits hinter sich gelassen hat.
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