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SchreibFragmente

15
Feb
2008

Der vierte Satz

aposDie Schweißperlen auf der Haut hoben und senkten sich unter den Wellenkämmen deines Atems, im Hintergrund der letzte Chor Beethovens. Ich verband mit dem Finger die Tropfen auf deiner Brust zu einem Netz, in dem sich das Licht brach. Götterfunke, sagte ich. Du lächeltest schläfrig.

20
Aug
2007

In vino veritas Amoris

apos„Mögen Sie Wein nicht oder trinken Sie keinen Alkohol?“
„Das kommt auf den Wein an…“
„Ich bevorzuge sizilischen, besonders den Chardonnay eines dortigen Klosters, Santagostino: leichte Anlehnung an Sherry, dezente Pfeffernote und schon fast ölig zu nennen. Man schmeckt Afrikas Sonne deutlich – wundervoll, sag ich Ihnen!“
„Sizilianischen habe ich noch nicht getrunken. Bei Weißwein bevorzuge ich bisher deutsche Gebiete“, bemühe ich mich.
„Ich mag die schwachbrüstigen deutschen Weine gar nicht. Besonders der rote Saft sollte maßlos übertrieben sein, extravagant, überschwenglich, bombastisch, affektiert. Er sollte daherkommen wie der Sohn des Peleus. Ein guter Wein schmollt immer ein wenig im Glas. Überhaupt sind Genüsse, Leidenschaften und Philosophie radikal, wenn sie wahr sind. Deshalb vertragen sich auch Calvinismus und Wein so schlecht.“

(Dialogausschnitt zwischen Hemingway & der Ich-Erzählerin in meinem ANNO-Text)

Rubrik: ich will doch nur spielen...

8
Aug
2007

Figurencharakterisierungen: Namen.

apos
  • Schievelbein, der von jedem nur bei seinem Nachnamen gerufen wurde, rauchte Rothändle. Die Packungen sahen immer völlig zerknautscht aus, selbst, wenn er sie gerade erst öffnete. In seinem Vollbart konnte man stets anhand der Reste seine letzte Mahlzeit erahnen. An seiner linken Hand fehlte der Daumen. Den hatte er vor Jahren bei einem Job im Sägewerk verloren. Da war er 19 gewesen. Doch darüber sprach er nicht gern. Das mochte weniger an dem Unfall selbst liegen, vermutete ich, als vielmehr an jenem Lebensabschnitt. Der hatte sich stumm in seinem Blick konserviert. Vergangene Geister haften einem wie ihm mehr an als anderen.
  • An Tatjana fiel mir zuerst auf, und das ist auch das deutlichste, an das ich mich bei ihr erinnern kann, stellvertretend für ihre Person sozusagen, dass sie, wenn sie über Dritte sprach, diese stets mit Vor- und Zunamen nannte. Ihre Stimme nahm für die Sekunden, in denen die schmalen Lippen Vokale und Konsonanten aneinander reihten, eine elitär-spöttelnde Distanz zu den Lauten ein, als glaubte sie ihren eigenen Lippen nicht ganz. Zugleich separierte sie den Zuhörenden als nicht zu diesem Kreis gehörig, weil der die betreffende Person nicht kannte.

6
Aug
2007

Tango du matin

aposEr solle sich endlich klar werden, was er wolle, statt seine Masken zu wechseln, wie es ihm gerade beliebt, habe sie ihm vorgeworfen.
Sie kenne, schiebt er nach, ihn ja ziemlich genau, nach den Jahren.
Die Stimme Gardels schwebt überm Zigarettendunst im Zimmer, durch das einzelne Sonnenstrahlen Morgenbotschaften senden.
Ob sie deshalb auch recht habe, frage ich ihn.
Könnte sie.
Seine Lippen saugen sich am Filter fest. Rot und zerbissen zwingen sie meinen Blick auf sich.
Ob es aber auch für ihn stimme, höre ich mich aus dem Off sprechen. Oder für andere?
Wir schweigen eine Weile, sehen dem Rauch nach, der tänzelnd zur Decke steigt.
Es ist doch nicht entscheidend, ob oder wie gut man jemanden kennt, sondern welche Perspektiven man anzunehmen bereit ist, versuche ich es ein letztes Mal.
Er drückt die Zigarette in den Aschenbecher, der zwischen uns steht.
Objektivität ist ein Hirngespinst.
Die rechte Hand spielt mit dem Feuerzeug, der Verschluss klackt silbern. Seine Initialen ziselierend darauf graviert. Ich beuge mich hinüber zu seinem Kopf, der im weißen Kissen ruht, über die feuchten Strähnen, die dunkel in die Stirn fallen, und zu seinem rauhroten Mund. Halte inne, da blickt er hoch zu mir. Ich küsse flüchtig seine Stirn, schmecke Salz, er lächelt kurz. Mein Magen verkrampft. Rutsche seitlich aus dem Bett und gehe ins Bad.
Als ich zurückkomme, liegt noch das silberne Feuerzeug auf dem weißen Laken, Rauchschlieren stehen selbstvergessen im Raum.

21
Jul
2007

Trauma

aposBisweilen traumatisiert auch das Brummen eines Käfers, der immer wieder tief gegen die Lampe fliegt.
Eine Kristallschale, gegen welche Glas stößt und die also k l i n g t, ebenso - und doch ganz anders.

25
Apr
2007

Freiheit 2.0

aposVor ein paar Tagen saß ich mit T_Tiger beim Spanier. Wir sprachen von Erinnerungen, Reisen und den dazugehörigen Bildern im Kopf. An der Wand hing ein Kachelmosaik, das mich entfernt an das Weiße Gold Dresdens erinnerte. Rote und gelbe Farbe verflossen darauf zur Flagge.
"Manchmal wünsche ich mir, man könnte all die Bilder im Kopf via Bioport auslesen, um sie anderen zu zeigen", sagte er da.
"Bist du dir sicher?"
"Dann könnte man die inneren Bilder endlich mit anderen teilen."
"Dafür gibt es Literatur, Musik, Kunst."
"Ich kann nicht malen - oder schreiben wie du."
"Aber davon erzählen. Das ist fast das Gleiche."
Ich stützte mich auf die dunkle Tischplatte und meine Unterarme, während er einen Schluck Wein von meinem Glas nahm.
"Wenn alle Bilder, die da oben", ich tippte ihm mit dem Zeigefinger gegen die Stirn, "gespeichert sind, ausgelesen werden könnten: ich bin mir sicher, du würdest vor deinen eigenen erblassen."
"Schon möglich." Er nickte dabei.
"Ziemlich sicher sogar. Ich halte die lieber weggesperrt und als Archiv für meine Träume oder Texte - entscheide jedenfalls selbst, was davon ich in die Welt lasse. Natürlich wird immer nur ein Teil nach draußen dringen, nie das Ganze, schon aufgrund von Bewusstheiten. Die Ahnung ist schließlich erst das, was es spannend macht. Und sie ist zumindest e i n e Voraussetzung dafür, dass Kunst überhaupt funktioniert."
"Aber der Künstler hat das nötige Handwerkszeug und vor allem Talent, das ich nicht besitze, um auch nur diese Ahnung zu erzeugen. Ich kann es nur perzipieren."
Schlank und schwarz saß er auf der Bank. Über ihm flatterte die Fahne.
"Es gibt noch einen anderen Grund, warum ich mir das definitiv nicht wünsche, wiewohl ich weiß, dass es am Fortschritt nichts ändert."
Ich nahm eine Zigarette aus der Schachtel und zündete sie an.
"Und zwar?"
Langsam blies ich den Rauch aus.
"Freiheit."
Durch den Rauch sah er mich an. Er liebte den leicht süßen Geruch des ersten Zigarettenzugs ebenso wie ich, obwohl er nicht rauchte.
"Mein Kopf kann zwar durchleuchtet und meine Gehirnströme gemessen werden. Man kann mir Dutzende Sensoren auf die Haut kleben, um meine Gefühlslage per Schweißproduktion undsoweiter zu analysieren. Jeder, den es interessiert, kann meine Spuren im Netz oder auf dem Erdball verfolgen. Wenige Klicks genügen, um herauszufinden, wann ich für was mit VISA gezahlt habe und dass ich meinetwegen gerade in Sevilla war. Aber meine G e d a n k e n gehören allein mir. D a s ist die letzte Bastion. Die allerletzte. Und die will ich mir nicht nehmen lassen - um keinen Preis."

25
Feb
2007

Normalität

apos"Ich bin nicht sauer auf dich."
Ihre Stimme klingt ruhig und irritierend nah durch den Hörer.
"Ich möchte, dass du das weißt. Ich musste das alles nur erst einmal verdauen."
Ich nehme einen Zug von meiner Zigarette und schweige. Das letzte Mal, da ich ihre Stimme hörte, ist ein halbes Jahr her.
"Vielleicht können wir mal einen Kaffee zusammen trinken - wenn du Zeit hast."
"Ja", sage ich, "das könnten wir."
Dass sie mich gerade heute anruft. Erst gestern sprach ich mit jemandem von ihr. Es gibt keine Zufälle in diesen Dingen. Vielleicht, denke ich, während ihre Stimme in mein Ohr sintert, schleicht sich Normalität auf diesem Weg wieder ein. - oder soll vielmehr erzwungen werden.
"Wie geht es dir denn?"
Momenthaft legt sich ein Hauch von Rauhreif auf ihre Stimmbänder. Sie versucht ein Lächeln dabei, das hör ich, es nützt aber nichts.
"Gut. Ganz gut, ja", sage ich, führe den Filter zwischen die Lippen, ziehe den Rauch durch ihn hindurch und krieche zurück in mein Schweigen. Normalität. Was ist das schon wenn nicht das verkrampfte Festhalten an alltäglichen Pseudogewissheiten. Natürlich. Was soll ich auch sonst sagen. Die Wunden sind da, wenngleich der Schorf verschwunden ist, um dem Weiß der Narben Platz zu machen. Deren Schmerz drängt sich noch hin und wieder ins Bewusstsein - manchmal, wenn das Wetter umschlägt.
"Ich mach dir einen Vorschlag."
Ihre Stimme holt mich wieder zurück an die Oberfläche - und verstummt.
"Welchen denn?" frage ich langsam.
Ist immer noch stumm. Dann aber, als koste sie es unendlich viel Kraft:
"Wenn du grade so viel zu tun hast, will ich dich nicht weiter stören. Ruf mich doch an, sobald du wieder Luft hast. Dann machen wir uns was aus."
"Das kann ich tun."
Wir legen auf.
Es ist mehr darin als das Streben nach Normalität, denk ich bei mir. Es ist der Versuch, mich zu entdämonisieren, mich zu verharmlosen, um die tiefe Verletzung zu verkopfen und damit kontrollierbar zu machen: indem mir wieder Raum im Alltag zugestanden wird. Mit mir hat das nur insofern zu tun, als dass ich Objekt, dass ich Dorn bin. Was sie das für Kraft kosten muss, mich in etwas 'Normales' umzudenken... Das Geschehene ändern aber kann nicht einmal Gott.

Rubrik: SchreibFragmente

2
Feb
2007

Nachtrag: Haltung

aposGestern, ich war gerade auf dem Weg in die Stadt, um einige Besorgungen zu machen - es war bereits dunkel, gegen sechs wohl oder halb sieben - bin ich einem Mann begegnet. Ich lief, meinen Kopf mit Gedanken voll, den Gehweg entlang und kam an einer Straßenecke vorüber. Der Mann stand neben einer Säule, die Hände auf die Knie gestützt, als ob er verschnaufen müsse nach einem Spurt, den Blick zu Boden gerichtet und wohl nach innen. Er mochte nah an der Fünfzig sein, auf jeden Fall jenseits der Vierzig. Quadratisches Gesicht, davor eine ebensolche Brille mit schwarzem Gestell, das mit seinem dunklen Haar korrespondierte. In jenem Moment, da ich an ihm vorüberlief, sah er auf. Unsere Blicke trafen sich kurz; da richtete er sich abrupt auf, straffte sich und lief aus der Bewegung heraus weiter, als sei die Pause ein momenthafter Fehler, der nun korrigiert wurde. Der Mann bewahrte also H a l t u n g, oder versuchte, sie wieder herzustellen - sein Stolz gebot es ihm.

[ Haltung bzw. Stolz ist keine Frauendomäne. ]

29
Jan
2007

Urteile

apos
Er war keineswegs dumm, er hatte nur nichts verstanden.

19
Jan
2007

aroma

aposROMA
dein Name ist
Amor

Für die Dauer eines Romans
logo

Titania Carthaga

Mit etwas Größenwahn gelingen auch Dinge, die eigentlich unmöglich erscheinen.

[ Die Anthologie ist da! ]

ANNO 1900, Weimar. Eine kulinarisch-literarische Ausschweifung
Erhältlich via Buchhandel oder Amazon

[ Du darfst... ]

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[ kommentierte Ausgaben ]

war nicht auf dich gemünzt,...
war nicht auf dich gemünzt, frau TC... :).
bastiH (anonym) - 2008-08-07 09:39
Und w i e das schmeckt!...
Und w i e das schmeckt! Einfach göttlich! (Auf...
Titania Carthaga - 2008-08-06 19:32
Und wenn man dann noch...
Und wenn man dann noch bedenkt, daß man rein...
Aurisa - 2008-08-06 18:50
birne und senf? ...und...
birne und senf? ...und das schmeckt? ...nach birne...
starman (anonym) - 2008-08-06 18:21
Wo in meinem obigen Posting...
Wo in meinem obigen Posting juble ich denn?
Titania Carthaga - 2008-08-06 17:10
Tja, Föderalismusreform...
Tja, Föderalismusreform hin oder her: alles eine...
Titania Carthaga - 2008-08-06 17:09
Neue Sucht
I just can't get enough...!
Titania Carthaga - 2008-08-06 17:07
für einraumkneipen...
für einraumkneipen ist dieses urteil auf jeden...
bastiH (anonym) - 2008-08-06 08:40

[ z.Zt.versunken in ]


Joachim Ringelnatz
Die Gedichte


Charles Sanford Terry
J.S.Bach


Dietrich Heither, Michael Gehler, Alexandra Kurth
Blut und Paukboden. Eine Geschichte der Burschenschaften


Alfred Döblin
Berlin Alexanderplatz

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